Prager Fenstersturz

Václav Brožík, Der Prager Fenstersturz (1889), Public Domain

Der Begriff Prager Fenstersturz bezeichnet genau genommen drei historische Ereignisse, bei denen Gegner buchstäblich aus Fenstern der Prager Burg gestoßen wurden: Den ersten Fenstersturz von 1419, den zweiten Fenstersturz von 1483 und den dritten Fenstersturz von 1618. Der berühmteste von ihnen ist jedoch der Fenstersturz vom 23. Mai 1618, der als unmittelbarer Auslöser des Dreißigjährigen Krieges gilt.

Sechs Jahre zuvor, am 20. Januar 1612, war der deutsch-römische Kaiser Rudolf II. (1552-1612) gestorben. Sein Bruder Matthias (1557-1619) folgt ihm nach. Unter seiner Herrschaft wurden die durch Rudolfs Majestätsbrief von 1609 zugesicherten Religionsrechte der protestantischen Stände zunehmend missachtet. Katholische Stadthalter schlossen protestantische Kirchen und setzten Bestimmungen des Majestätsbriefs nicht mehr um. Die protestantischen Stände reagierten mit Protestschreiben – jedoch ohne Antwort.

Am 23. Mai 1618 versammeln sich daher protestantische Adelige in der Prager Burg. In einem improvisierten Gericht beschuldigten sie die beiden königlichen Stadthalter Jaroslav Bořita von Martinicz und Wilhelm Slavata sowie deren Sekretär Philipp Fabricius der Unterdrückung protestantischer Rechte. Am Ende des Tumults wurden alle drei aus einem Fenster der königlichen Kanzlei gestoßen.

Erstaunlicherweise überlebten die Männer den Sturz nahezu unverletzt. Zeitgenössische Erzählungen erklären dies damit, dass sie auf einem Misthaufen oder weichem Abfall im Burggraben gelandet seien. Protestanten deuteten das Überleben als göttlichen Schutz, während katholische Autoren den Vorfall spöttisch kommentierten. Sicher ist nur: Der Fenstersturz löste die offene Rebellion der böhmischen Stände aus.

Damit begann der Böhmische Aufstand, der sich rasch zu einem europäischen Konflikt ausweitete und schließlich den Dreißigjährigen Krieg entfachte – einen der verheerendsten Kriege der Neuzeit.

Quelle:

Schmidt, Georg: Der Dreißigjährige Krieg. München 2018, S. 38–45.

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