Die Zähringer und die Markgrafschaft Baden

Die Geschichte Badens ist eng mit zwei großen Adelslinien verbunden: den Herzögen von Zähringen und den Markgrafen von Baden. Beide Häuser gehen genealogisch auf einen gemeinsamen Stammvater zurück: Berthold I. „der Bärtige“ (†1078), einen der bedeutendsten Grafen im südwestdeutschen Raum, der Besitz und Grafschaften u. a. in der Ortenau, im Breisgau, im Thurgau und in der Baar hielt. Berthold stammte aus der Familie der Grafen von Villingen und war ein Nachkomme Bezelins von Villingen (†1024), der 999 von Kaiser Otto III. Markt- und Zollrechte für Villingen erhielt.

Kaiser Heinrich III. aus dem salischen Königshaus stellte Berthold 1056 in Aussicht, ihn im Todesfall des amtierenden Herzogs Otto von Schweinfurt (†1057) mit dem Herzogtum Schwaben zu belehnen. Nach Heinrichs Tod im selben Jahr kam es jedoch anders: Die Reichsregentin Agnes von Poitou, Vormund des noch minderjährigen Heinrich IV., verlieh Schwaben 1057 ihrem (baldigen) Schwiegersohn Rudolf von Rheinfelden. Als Ausgleich erhielt Berthold 1061 das Herzogtum Kärnten sowie die Mark Verona – hohe Reichsämter, die sein Haus fest im Hochadel etablierten, auch wenn es ihm schwerfiel, diese Herrschaftsrechte in der Praxis durchzusetzen.

Mark Verona

Die Mark Verona war im Hochmittelalter von großer strategischer Bedeutung, da sie als „Tor nach Italien“ entscheidende Alpenübergänge und Handelswege zwischen dem Reich und Norditalien kontrollierte. Kurz vor der Übertragung an Berthold war sie von Konrad III. von Zütphen (†1061) verwaltet worden, der aufgrund politischer Spannungen entmachtet wurde. Obwohl Berthold formal mit Verona belehnt war, konnte er dort keine stabile Herrschaft etablieren; die tatsächliche Macht lag weiterhin bei der lokalen Aristokratie und der sich emanzipierenden Stadtgemeinde.

Im Investiturstreit stellte sich Berthold zusammen mit Rudolf von Rheinfelden und Welf IV. – den Herzögen von Schwaben und Bayern – auf die Seite Papst Gregors VII. und unterstützte Rudolfs Erhebung zum Gegenkönig gegen Heinrich IV. Auf dem Reichstag in Ulm 1077 wurde Berthold geächtet und seiner Lehen, Kärnten und Verona, enthoben; diese gingen an Liutold von Eppenstein, Sohn der früheren Kärntner Herzogs­familie. Berthold führte die Titel jedoch als Anspruchstitel weiter; in seiner Familie lebten sie als Teil der dynastischen Tradition fort – insbesondere über seine Söhne Berthold II., Stammvater der Zähringer Herzöge, und Hermann I., Begründer der Linie der späteren Markgrafen von Baden.

Investiturstreit

Der Investiturstreit (ca. 1075–1122) war ein Machtkonflikt zwischen Papst und Kaiser im Heiligen Römischen Reich. Es ging darum, wer Bischöfe einsetzen darf – die Kirche oder der weltliche Herrscher. Er führte zu Exkommunikationen, Bürgerkriegen und Gegenkönigen und endete mit dem Wormser Konkordat, das der Kirche die geistliche Einsetzung zusprach, während der König gewisse weltliche Rechte behielt.

Seine letzten Jahre verbrachte der schwer erkrankte Berthold auf der Burg Limburg oberhalb von Weilheim an der Teck, während seine Herrschaftsgebiete schwer unter den Auseinandersetzungen des Investiturstreits litten. Er starb 1078 und wurde im Reformkloster Hirsau im nördlichen Schwarzwald bestattet.

Herzöge von Zähringen

Berthold II. stellte sich – wie bereits sein Vater Berthold I. – im Investiturstreit auf die Seite des Gegenkönigs Rudolf von Rheinfelden, der zugleich Herzog von Schwaben war, und heiratete 1079 dessen Tochter Agnes von Rheinfelden.

Rudolf von Rheinfelden sagte seinem Sohn Berthold von Rheinfelden das Herzogtum Schwaben zu und setzte Berthold II., seinen Schwiegersohn, als dessen Vormund und Vertreter ein. Nach Rudolfs Tod 1080 übernahm Berthold von Rheinfelden formal die Regierung im Herzogtum Schwaben.

Um 1090 wählte Berthold II. die Burg Zähringen bei Freiburg als neuen Herrschaftssitz seiner Familie und führte fortan den Titel Herzog von Zähringen. 1090 starb Berthold von Rheinfelden kinderlos; seine Ansprüche und Besitzungen fielen in der Folge an seinen Schwager Berthold II. von Zähringen, der 1092 von der oppositionellen Partei zum Gegenherzog von Schwaben erhoben wurde, während Friedrich I. von Staufen von König Heinrich IV. als legitimer Herzog von Schwaben eingesetzt wurde.

1098 einigten sich Berthold II. von Zähringen und Friedrich von Staufen: Berthold verzichtete auf das Herzogtum Schwaben, erhielt dafür jedoch u. a. die Reichsvogtei Zürich, und sein Titel „Herzog von Zähringen“ wurde anerkannt. Zwar blieb die Feindschaft zu Heinrich IV. bestehen, doch pflegte Berthold II. gute Beziehungen zu dessen Sohn Heinrich V., den er 1110/1111 auf dessen Italienzug begleitete und die kaiserliche Politik unterstützte. Berthold II. unterstützte Heinrich V., weil sich das politische Kräftefeld geändert hatte: Der alte Konflikt mit Heinrich IV. war beigelegt, Heinrich V. bot Kooperation statt Konfrontation – und Berthold handelte klug, um Einfluss, Anerkennung und Stabilität für sein Haus zu sichern.

Berthold II. starb 1111 im Herzogtum Schwaben und wurde in dem von ihm gegründeten Benediktinerkloster St. Peter im Schwarzwald bestattet.

Markgrafen von Baden

Hermann I. war Graf im Breisgau und führte den prestigeträchtigen Titel eines Markgrafen von Verona. Er war verheiratet (der Name seiner Ehefrau ist in den Quellen nicht eindeutig belegt) und hatte mit ihr seinen Sohn Hermann II. Im Jahr 1073 verzichtete Hermann I. auf seine weltlichen Rechte und trat in die Reformabtei Cluny nahe Mâcon im burgundischen Raum (heute Frankreich) ein, wo er bis zu seinem Tod 1074 als Mönch lebte. Da Hermann II. noch zu jung war, um seine Erbansprüche selbst durchzusetzen, dürfte zunächst Berthold II. von Hermanns Klostereintritt profitiert haben.

Für die badische Geschichte entscheidend wurde jedoch Hermann II. Er wurde 1098 in den Ausgleich einbezogen, den sein Onkel Berthold II. mit König Heinrich IV. vereinbarte, und erhielt dabei umfangreiche Besitzrechte, insbesondere im Raum von Aquae Aureliae (dem späteren Baden-Baden) und im Breisgau. Dort ließ er die Burg Hohenbaden errichten. Ab 1112 erscheint er urkundlich als Markgraf von Baden. Mit ihm beginnt die genealogische Linie der Markgrafen von Baden.

Abtei Cluny

Die Abtei Cluny, 910 im heutigen Burgund gegründet, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten geistlichen Zentren Europas. Von hier ging die cluniazensische Reformbewegung aus, die das Klosterleben erneuern, kirchliche Disziplin stärken und die Kirche stärker von weltlicher Einflussnahme lösen wollte. Diese Reformideen prägten maßgeblich das Denken von Papst Gregor VII., der zwar kein Mönch Clunys war, aber aus dessen Reformumfeld stammte und viele ihrer Ziele mit päpstlicher Autorität im ganzen Reich zu verwirklichen suchte. Cluny stand an der Spitze eines weit verzweigten Netzwerks verbundener Klöster und besaß eine der größten Kirchen seiner Zeit – damit prägte es Religion und Politik des Mittelalters nachhaltig.

Literatur und Quellen

  • Borchardt-Wenzel, Annette: Kleine Geschichte Badens. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 2016, S. 34–38.
  • Heyck, Eduard: Geschichte der Herzöge von Zähringen. Hg. von der Badischen Historischen Kommission. Neudruck der Ausgaben Freiburg i. Br. 1891–1892. Vaduz: Scientia Verlag, 1980.
  • Hug, Wolfgang: Die Geschichte Badens. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Theiss in Herder, 2016, S. 22–30.
  • Kohnle, Armin: Kleine Geschichte der Markgrafschaft Baden. 1. Auflage. Karlsruhe: G. Braun Buchverlag, 2007, S. 17–32.
  • Sachs, Johann Christian: Einleitung in die Geschichte der Marggravschaft und des marggravlichen altfürstlichen Hauses Baden. Erster Theil. Frankfurt und Leipzig: In Commission bey Meßler und Compagnie, 1764.
  • Tellenbach, Gerd: Berthold I. (mit dem Barte). In: Neue Deutsche Biographie, Bd. 2, Berlin: Duncker & Humblot, 1955, S. 159.

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